Archiv des Autors: Leben im Viertel

„Viertel bleibt dreckig“

Unschöne Seiten der Feierei

Schon seit Jahren beschweren sich Anwohner*innen über ein Partyvolk, das sich um seinen Abfall und Unrat nicht kümmert. Geschäftsleute sorgen sich um ein Straßenbild, das Kunden nicht einlädt, sondern abschreckt. Die Stadt möchte zwar Gäste ins Viertel locken, sieht sich aber nicht in der Lage, eine angemessene Müllentsorgung sowie ausreichend Toiletten einzurichten. Die pseudo-anarchistische Parole „Das Viertel bleibt dreckig“ trifft auf eine pseudo-liberale Haltung im Ortsbeirat, der sich mehr an den Interessen der „Gäste“ orientiert als an denen der Bewohner*innen des Viertels.

Das will LiV erreichen

Niemand will ein piekfeines Viertel. Aber abgesehen davon, dass ein paar Stunden Schlaf in der Nacht ganz gesund wären, wollen sich Anwohner*innen und Kunden  auf ihren Wegen oder beim Einkaufen sicher und wohlfühlen, das Straßenleben auch ästhetisch genießen. Es geht um Aufenthaltsqualität, und zwar nicht nur, aber vor allem für die Bewohner des Viertels.
Müllentsorgung und Reinigung besonders an den Wochenenden noch in der Nacht, und auch in den Nebenstraßen; ausreichende und optisch ansprechende Abfallbehälter und öffentliche Toiletten; zusätzliche Beleuchtung in dunklen Seitenstraßen; Verkauf und Verzehr von Alkohol in der Öffentlichkeit (außerhalb der Gastronomie) nur bis 23 Uhr.

Die Lebensqualität einer Stadt

Das Viertel braucht einen Runden Tisch

LiV mahnt seit sieben Jahren immer wieder beim Beirat an, eine perspektivische Diskussion zur Stadtteilentwicklung mit allen Nutzergruppen herbeizuführen – ohne Erfolg.  Verkehrsdichte und Parkplatznöte erfordern seit langem Lösungen.

Viel Begegnung, wenig Tempo

Mittlerweile geht es aber auch bei der Innenverdichtung um Visionen: unangemessene Bebauung greift um sich, siehe Fesenfeld, Blumen-straße und die Pläne für die Landeszentralbank. Was als angemessen oder „maßstäblich“ gilt, ist ein Streitpunkt zwischen Behörden, Investoren und Beiräten auf der einen  und den Anwohner*innen auf der anderen Seite. Wir schließen uns der Definition von Jan Gehl über das menschliche Maß an:

Wie wollen wir eigentlich leben?

„Herr Gehl, woran erkennt man die Lebensqualität einer Stadt?“
Jan Gehl: „Es gibt einen sehr simplen Anhaltspunkt. Schauen Sie, wie viele Kinder und alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind. Das ist ein ziemlich zuverlässiger Indikator. Eine Stadt ist nach meiner Definition dann lebenswert, wenn sie das menschliche Maß respektiert. Wenn sie also nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt. Wenn sich auf ihren überschaubaren Plätze und Gassen wieder Menschen begegnen können. Darin besteht schließlich die Idee einer Stadt.“

Jan Gehl ist der Mann hinter dem Boom seiner Heimatstadt Kopenhagen, dem Umbau Moskaus und der Wiederbelebung Manhattans. Früher wurde er belächelt. Heute gilt er als einer der einflussreichsten Stadtplaner der Welt. Dabei stellt er nur eine einfache Frage: Wie wollen wir eigentlich leben?

Zitat aus: brand eins Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 12/2014, Autor: Harald Willenbrock
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2014/genuss/die-menschen-in-bewegung-setzen

Foto: valik-chernetzkyi-1377672-unsplash